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Info Speerschleuder

Speerschleuder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Eine Speerschleuder ist eine komplexe historische Jagd- und Kriegswaffe. Mit Hilfe einer Abwurfvorrichtung erreicht das Wurfgeschoss eine höhere Reichweite und Durchschlagskraft als ein von Hand geschleuderter Speer.

Geschichte

Während der letzten Eiszeit bahnte sich eine Revolution in der Jagdtechnik an: Die Speerschleuder wurde entwickelt, eine aus Geschoss und Abwurfvorrichtung bestehende Jagd- und Kriegswaffe. Das älteste Fundstück lässt sich dem späten Solutréen (ca. 18.000 – 16.000 Jahre vor heute) zuordnen. Der überwiegene Teil aus stratigraphisch gesicherten Zusammenhängen stammt aus dem Magdalénien IV (ca. 11.400 – 10.800 Jahre vor heute). Die Speerschleuder stellt somit die älteste komplexe Waffe des Menschen dar.

Der prähistorische Schwerpunkt der Verbreitung ist Südwestfrankreich, aber einige Fundstücke stammen ebenso aus der Schweiz, Deutschland und Spanien. Weltweit ist die Speerschleuder archäologisch und ethnographisch in Amerika, Mikronesien, Australien, Neu-Guinea und bei den Eskimo belegt. STODIEK (1993) unterteilt sie aufgrund der Konstruktionsmerkmale in Hakenschleudern, hierbei handelt es sich meist um Kompositgeräte, Muldenschleudern, die aus einem Stück gefertig wurden und an einem Ende eine muldenförmige Vertiefung aufweisen, sowie Haken-Mulden-Schleudern, einer Mischform aus beiden Typen mit kleinem Haken.

Bei den jungpaläolithischen Speerschleudern handelt es sich fast ausschließlich um Hakenschleudern, deren Hakenschleuderende meist aus Rengeweih, aber auch aus Knochen oder Elfenbein gefertigt wurde. Das Hakenschleuderende wurde mit Hilfe von Abschrägungen, natürlichen Klebestoffen (Bienenwachs, Baumharz, Birkenpech) und Bindematerialien (Sehnen, Bast), teilweise sogar mit Hilfe von Durchbohrungen an einem hölzernen Stab befestigt. Der Haken diente dabei als Widerlager für eine sich am hinteren Ende des Wurfgeschosses befindende Vertiefung. Um die Flugstabilität des Speeres zu erhöhen, wurde wahrscheinlich an diesem eine Befiederung angebracht. Die relativ geringe Anzahl von Funden lässt vermuten, dass möglicherweise der Grossteil der Speerschleudern ganz aus Holz gefertigt wurde. Bei den derzeit über 100 Funden handelt es sich ausschließlich um Fragmente, bei denen nur die Hakenschleuderenden erhalten sind. Anhand von weltweiten völkerkundlichen Vergleichen (STODIEK 1993) mit vollständigen Exemplaren konnte eine durchschnittliche Gesamtlänge der Speerschleudern von 55 bis 75 cm ermittelt werden. Gleiches gilt für die Wurfgeschosse, bei denen sich nur die Projektilspitzen aus Silex oder Rengeweih erhielten. Ihre Länge wird auf etwa 2,10 bis 2,30 m rekonstruiert.

Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Zuerst wird die Aushöhlung am hinteren Ende des Speeres in die Schleuder eingehakt. Dabei hält die Hand des Wurfarmes den Speer und die Speerschleuder parallel zueinander. Der Bewegungsablauf des Werfens schließlich ähnelt dem eines normalen Speerwurfes. Mit Hilfe der Speerschleuder wird jedoch der Hebelarm verlängert, wodurch sich die auf das Wurfgeschoss wirkende Beschleunigung vergrößert. Dadurch wird eine größere Reichweite aber auch Durchschlagskraft und Treffsicherheit als mit einem herkömmlichen Speer erreicht.

Literatur

U. Stodiek: Zur Technologie der jungpaläolithischen Speerschleuder. Eine Studie auf Basis archäologischer, ethnologischer und experimenteller Erkenntnisse. Tübinger Monogr. Urgesch. 9 (Tübingen 1993).

U. Stodiek / H. Paulsen: „Mit dem Pfeil, dem Bogen...“ Technik der steinzeitlichen Jagd (Oldenburg 1996). ISBN 3895983888

J. Hahn: Artefaktmorphologie. Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten (Tübingen 1991).

 

Von "http://de.wikipedia.org/wiki/Speerschleuder"